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Im Sprachendorf wird kein Deutsch gesprochen

Achtklässler der Dr.-Jasper-Realschule üben aktives englisches Sprechen im Rollenspiel

Eine vermutlich kaum ungewöhnliche Szene in der Nähe vom Piccadilly Circus. Einer deutschen Touristin wird ihre Handtasche geraubt. Um den Vorfall anzuzeigen, muss sie den Vorfall auf der Polizeistation schildern und ihre persönlichen Daten hinterlassen. Was in London mit Sicherheit ganz alltäglich ist, muss sprachlich im Ernstfall vom deutschen Touristen natürlich auch umgesetzt werden können. Rund 85 Achtklässler der Dr.-Jasper-Realschule probten jetzt im Rahmen eines sogenannten Sprachendorfes, „sich kulturell angemessen in einer fremdsprachigen Umgebung zu verständigen“, wie es in dem begleitenden pädagogischen Leitfaden heißt. Ein lebendiges, von der Schule zum ersten Mal inszeniertes englischsprachiges Rollenspiel, das Schülern und Lehrern gleichermaßen offenkundig Spaß machte.       

Die Aktion des Sprachendorfs folgt einer Empfehlung des Kultusministeriums, das sprachliche Vermögen gerade auch hinsichtlich eines aktiven Sprechens stärker zu fördern, zumal seit Kurzem mit fremdsprachigen Interviews und Rollenspielen in den zehnten Klassen auch geprüft wird. Englisch-Fachbereichsleiterin Kathrin Herbeck hatte die Landesempfehlungen ernst genommen und zusammen mit ihren Kollegen dann auch praktisch umgesetzt. An vier verschiedenen, mit Stellwänden, Tischen und passenden Requisiten ausgestatteten Stationen hatten die Schüler dann mit vorher kurz geübten englischen Dialogen in zwei bis drei Minuten Alltagsituationen sprachlich zu bewältigen und wurden dafür hinterher auch in Bezug auf Sprachgebrauch, Rollenverhalten und Aussprache bewertet. Eine neue Erfahrung für den fremdsprachigen Unterricht nicht nur für die Schüler, sondern auch für die Lehrer. „Mal sehen, was dabei herauskommt“, meinte Herbeck im Vorfeld der Aktion, „wenn´s nicht gut läuft, lassen wir das halt wieder sein“.

Tatsächlich lief es ziemlich gut, denn zwischen Polizeistaton, Touristikinformation oder Textilgeschäft sah man am späteren Vormittag etliche vom Lampenfieber zwar angespannte, nichtsdestoweniger aber gleichzeitig auch fröhlich-engagierte Gesichter. „Das macht richtig Spaß“, meinten Kim-Josephine Bremer (15) und Tamara Eggeling (14) beispielsweise, die das Verkaufsgespräch im Textil-Shop schon mit Bravour hinter sich gebracht hatten und vor der Polizeistation auf ihren nächsten Auftritt als Bobby und bestohlene Touristin warteten. Eine Aussage, die den beiden nur auf Englisch zu entlocken war, denn immerhin lautete die Vorgabe für das Ganze: „In unserem Dorf wird kein Deutsch gesprochen“. Für die verschiedenen Interviews hatten Kim-Josephine und Tamara sich wie alle anderen natürlich vorher vorbereitet und mit entsprechenden Spickzetteln bewaffnet. Die sollten dann allerdings nur im Notfall zum Einsatz kommen, schließlich hilft beim Kauf eines trendigen T-Shirts oder für die Frage nach dem richtigen Weg auf der Insel auch nicht Schriftliches weiter.

Die unkonventionelle Unterrichtsform, sich der Fremdsprache einmal aktiv sprechend im Rollenspiel zu nähern, faszinierte offenbar aber nicht nur die Schüler, auch die Lehrer hatten sich für das Sprachendorf schnell erwärmen können und jede Menge Requisiten gesammelt. „Ich finde es klasse, dass wir hier so aktive engagierte Lehrer haben, die so eine Idee dann auch umsetzen“, meinte Schulleiterin Ina Lange am Ende begeistert.