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Selfie mit Oliver Twist

White Horse Theatre gastiert vor 350 Schülern in der Aula des Schulzenturms Liebigstraße

„A warm hug“, eine freundschaftlich-liebevolle Umarmung nach etlichen Selfies, Fragen und Erklärungen durch die Schüler - dann konnten die vier englischen Schauspieler in der Dr. Jasper-Realschule doch endlich noch schnell ein wenig frühstücken, bevor die zweite Aufführung des Soester White Horse Theatres losgehen konnte. Rund 350 Schüler der neunten und zehnten Klassen aus Holzminden, Eschershausen und Stadtoldendorf schauten sich in der Aula des Schulzenturms an der Liebigstraße die englischsprachige Version von Charles Dickens Roman „Oliver Twist“ an, um vor allem in unterhaltsamer Form etwas von der Sprache mitzunehmen.

Die Aufführungen des White Horse Theatre sind schon seit Jahren ein fest eingeplanter unterrichtsbegleitender Punkt im Terminkalender des Fachbereichs Englisch an der Dr. Jasper Realschule. Gern lädt man dazu auch die entsprechenden Klassen umliegender Schulen aus dem Kreis ein, wie im letzten Jahr auch gaben die Kollegen aus der Eschershäuser Wilhelm Raabe-Schule und der Stadtoldendorfer Homburg-Oberschule trotz des weiten Anfahrtsweges gern ihre Zusage. Immerhin stand mit der Peter Griffith-Inszenierung des sozialkritischen Dickens-Bestsellers von 1837 auch noch richtig Anspruchsvolles auf dem Programm. Die Geschichte des Waisenjungen Oliver, der trotz widriger Umstände und allerlei Unfährnisse durch die finsteren Machenschaften des Hehlers Fagin und des brutalen Diebes Bill Sikes trotzdem Moral zeigt und am Ende dafür belohnt wird, ist durchaus verwickelt und erfordert volle Aufmerksamkeit, zumal die vier Schauspieler darüber hinaus zusammen auch noch 20 unterschiedliche Charaktere zu verkörpern hatten. „Wir wollen, dass alle Alterstufen irgendwann einmal so ein englischsprachiges Theaterstück sehen können, darum haben wir in diesem Jahr ein Stück für die neunten und zehnten Klassen ausgesucht“, begründet Fachbereichsleiterin Kathrin Herbeck die Auswahl des Stückes. Vermutlich nicht alle, bestimmt aber der überwiegende Teil der Schüler schien tatsächlich auch keinerlei Probleme zu haben, der Handlung zu folgen. „Wir haben davon doch heute Morgen eine Zusammenfassung gelesen“, meinte die 14-jährige Tamara Eggeling nach Ende der Aufführung gelassen. „Aber wir fanden das alles sowieso ganz verständlich“, ergänzt sie, während ihre Klassenkameradinnen nicken.

Das Soester White Horse Theatre, spezialisiert auf englischsprachige Schulaufführungen, rekrutiert sein Schauspielerpersonal zwar offenkundig nur immer für kurze Zeit für seine Tourneen durch die bundesdeutsche Aulalandschaft. Dafür bringen die mit sparsamsten Mitteln agierenden Akteure eigentlich immer wieder einige erfolgversprechende Eigenschaften mit, die zum Gelingen des dramatisierten Englisch-Unterrichts wesentlich beitragen: Sie sprechen definitiv kein Wort Deutsch, bringen authentische Spiellaune mit und sind für die Schüler auch dann noch offen, wenn der letzte Vorhang gefallen ist. Die Schüler, vor allem weiblichen, machten auch in diesem Jahr von dem freundlichen Angebot, doch nach dem Stück noch vorbeizukommen und Fragen zu stellen, gern Gebrauch. Das gerade Gesehene stand dabei zwar weniger im Vordergrund, dafür war Persönliches oder ein gemeinsames Foto mit den Schauspielern einfach wichtiger. Die Angst davor, sich in englischer Sprache verständigen zu müssen, aber auch nicht.