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„Was ist das für ein Stein?“ Eine kleine Geschichte wider das Vergessen

Im Innenhof unserer Schule befindet sich ein Gedenkstein, auf dem unterhalb des eingemeißelten Tatzenkreuzes folgende Inschrift zu lesen ist:

Unseren Gefallenen

VER

Holzminden

 

Beim Aufenthalt im Innenhof stellen unsere Schülerinnen und Schüler oftmals die Frage: „Was ist das eigentlich für ein Stein?“

Um die Geschichte des Gedenksteins zu erklären, soll zunächst ein kleiner Exkurs zum VER, der Vereinigung ehemaliger Realschüler und Realschülerinnen der Stadt Holzminden, die im Jahr 1929 gegründet wurde, erfolgen. Ermöglicht wird dies durch die Leihgabe der Vereinschronik, die der erste Vorsitzende Herbert Harre zuvor gesichtet, aufbereitet und der Schulleiterin der Dr. Jasper-Realschule freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat.

Die Hauptaufgabe der Vereinigung besteht darin, den Schulabgängern nach Beendigung ihrer Schulzeit die Möglichkeit zu geben, die während der Schulzeit geknüpften Freundschaften in der Vereinigung weiter pflegen zu können. Ebenso gehören die Aufrechterhaltung des Kontaktes zur Realschule und deren Unterstützung zum Aufgabenbereich der Vereinigung.

Der Gründung im Jahr 1929 folgten die Kriegsjahre, was zu einer Stagnation innerhalb der Vereinigung führte, die erst  im Jahr 1948 mit der Wiederaufnahme der Vereinstätigkeit durch den damaligen ersten Vorsitzenden, später Ehren-vorsitzenden, Herrn Wilhelm Albrecht, beendet wurde. Der Vereinschronik ist zu entnehmen, dass seitdem wieder ein Anstieg der Mitgliederzahlen zu verzeichnen war. Dazu trugen die zahlreichen Aktivitäten und Veranstaltungen der Vereinigung maßgeblich bei. Im Jahr 1979 wurde das 50-jährige Bestehen gefeiert.

Doch zurück in die Zeit nach Kriegsende. Der Zweite Weltkrieg hatte über 200 ehemalige Realschüler, die als Soldaten ihren Dienst taten, als Opfer gefordert. Zum Gedenken an die Gefallenen wurde zunächst eine Gedenktafel aus Holz in Auftrag gegeben; am Volkstrauertag fand regelmäßig eine Kranzniederlegung des VER zum Gedenken an die im Krieg gefallenen Realschüler statt.

Nachdem die Gedenktafel im Laufe der Zeit stark reparaturbedürftig geworden war, sollte bis zum Volkstrauertag 1978 eine neue Tafel angebracht werden. Im Protokoll der Vorstandssitzung vom 27.02.1978 wird jedoch berichtet, dass die Anwesenden sich darüber einig waren, dass eine Holztafel nicht in den modernen Rahmen der Schule passe, inzwischen hatte ein Umzug der damaligen Mittelschule an den jetzigen Standort stattgefunden; vielmehr eine Gedenktafel aus Stein in Auftrag gegeben werden solle. Dieses Vorhaben wurde nochmals verworfen; während der Vorstandssitzung vom 26.04.1978 einigten sich die Anwesenden darauf,  im Innenhof der Realschule einen Gedenkstein aufzustellen.

Dem Protokoll und dem Rundschreiben an die Mitglieder des VER vom Januar 1979 ist zu entnehmen, dass der Gedenkstein zum Volkstrauertag am 19.11.1978 von der Firma Färber aufgestellt und in einem feierlichen Rahmen mit einer Kranznieder-legung eingeweiht wurde.

Ein Grundgedanke im Rahmen der Erinnerungskultur war,  für die Hinterbliebenen der Gefallenen in deren ehemaliger Schule einen Ort der Erinnerung, des Innehaltens und Gedenkens an die Verstorbenen zu schaffen. Diese Absicht zeigt sich in den Gedenkworten, die der ehem. erste Vorsitzende Herr Wilhelm Albrecht im Rahmen der Übergabe der Ehrentafel während einer Feierstunde am 03.September 1954 sprach:

            „[…] zum Gedenken an die ehemaligen Mittelschüler, die der letzte Krieg verschlang.    Hier soll unseren gefallenen Brüdern eine Stätte bereitet werden. Und so denkt     mancher von den Angehörigen und von den Freunden, wenn sie am Sterbetag ihres     Lieben oder an seinem Geburtstage -oder wenn es auch sein mag- den Weg durch     die Pforte der Schule gehen, um an dieser Ehrentafel ein Kränzlein roter Heide oder     einen Strauß bunter Blumen niederzulegen.“

Betrachtet man den Gedenkstein, wie er am heutigen Tag im Innenhof unserer Schule steht, so wird deutlich, dass der Besucher auch einem in Stein gemeißelten Mahnmal gegenübersteht. Herr Albrecht drückt es während der Feierstunde am 03. September 1954 folgendermaßen aus:

            „[…] Das ist für uns ein Zeichen, das für unsere Jugend gleichzeitig ein Mahnmal           geworden ist.“

Ein Mahnmal wider das Vergessen und zugleich eine Warnung in Bezug auf den Krieg an sich und die Verheerung, die ein solcher nach sich zieht;  zugleich auch stummer Appell an die folgenden Generationen, sich für ein friedliches Miteinander in einer demokratisch ausgerichteten Gesellschaft einzusetzen.